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Samstag, 22. Juli 2017

tucking fypos


 Ich möchte mal hoffen das Matt Lee Marschall beim Verfassen seiner Geschichte Hallow (Amazon 2016, ca. S.41) nur die Finger vorausgeeilt sind, wenn die zum Ende in Kapitel Sieben hin vorausgesehene Hinrichtung so quasi zum BDSM Grillfest wird:
"She was certain that she would be dead within a day. She saw it in her dreams, tied to a steak as flames ate her flesh and charred her bones."

Montag, 10. Juli 2017

A different Blue








A different Blue, Amy Harmon
(2013, Smashwords)


Kurzinhalt:
 Blue Echohawk ist in ihrem letzten Schuljahr. Sie ist ein Inbegriff der rebellischen Schülerin, trägt zu viel Make-Up, zu enge Kleidung und fordert die Lehrer heraus. Sie ist beliebt bei den Jungs, doch lässt keinen von ihnen emotional an sich heran. Wenn ihr danach ist schnappt sie sich einen für ein schnelles intimes tête-à-tête und das war es dann auch.
 Doch in diesem Jahr kommt ein neuer Geschichtslehrer an Blues Schule, Darcy Wilson. Der Brite fordert mehr von seinen Schülern als nur Geschichte zu Lernen, er fordert sie auf sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinander zusetzten.
 Blue verweigert sich Wilson zunächst, fordert ihn heraus, versucht ihn auf die Palme zu bringen, doch der junge Lehrer scheint Blue von Anfang an zu Durchschauen, hinter die sorgfältig aufgebauten Fassaden zu Blicken welche Blue so lange erfolgreich zu Schützen vermochten.
 Blue Echohawk, kennt ihre Geschichte nicht. Sie weiß nicht wie alt sie wirklich ist, was ihr wahrer Name ist oder wer ihre Eltern sind. Sie wurde im Alter von zwei Jahren von ihrer Mutter ausgesetzt und dem Indianer Jimmy Echohawk aufgezogen … Blue ist ein Mädchen ohne Geschichte und zuviel unverarbeitetem Zorn in sich.


Ein paar generelle Anmerkungen:
 Es ist immer wieder ein schönes Gefühl wenn man in einer Geschichte auf die Passage trifft, welche ihr den Namen gab. A different Blue, das ist was eine andere Vergangenheit aus Blue gemacht hätte. Eine andere Blue, das ist es auch was die Charaktere im Verlauf der Geschichte wird. Eine andere, aber trotzdem Für immer Blue, wie es der deutsche Titel erfasst.
 Auch wenn nicht alles rund läuft für mich in der Geschichte, und es Entwicklungen gab die mir, nun, problematisch erscheinen (dazu mehr in der Spoiler Sektion) hat es mich sehr gefreut wie Amy Harmon die Entwicklung von Blue beschreibt.

 Blue ist von Anfang an eine Rebellin mit viel zu großem Herzen, sie ist eine Einzelgängerin – weitestgehend, sie kann es nicht vermeiden von zwei mexikanischen Kids „Adoptiert“ zu werden die wohl als einzige noch verlorener sind in der Welt als Blue – aber nicht bösartig oder selbstzerstörend. Blue ist das was man, wäre sie ein Mann, „sexual assertive“ nennen würde, aber weil sie eine Frau ist sie zur „Schlampe“ abstempelt.
 Dieser Teil wird von Amy Harmon überraschend gut gehandhabt und ist eine der Stärken der Erzählung. Amy macht uns zornig, nicht auf Blue, sondern auf ihr Umfeld, das diese starke junge Frau die Vorurteile ihrer Umwelt verinnerlichen lässt so das sie selbst glaubt Müll zu sein.
 Frei nach Stephen Chbosky
Wir nehmen die Liebe an, von der wir glauben, dass wir sie verdienen.


 Am Ende ist Blue eine andere, nicht mehr das Mädchen das mit Jungs schläft um sich für einen flüchtigen Augenblick geliebt zu fühlen, wichtiger noch aber nicht mehr die Blue welche glaubt das dies irgendwie ihren Wert als Mensch mindert. Ich mochte das und hätte gerade von Amy Harmon eine so essentiell positive Botschaft zu Promiskuität nicht erwartet. Natürlich bleibt Harmon sich und ihrem Glauben treu, natürlich findet auch Blue im Verlauf des Buches zu einem Glauben an Gott, aber die Autorin schafft diesen Wandel überzeugend zu vollziehen und ganz ohne Slut-Shaming.

 Der Klappetext zur deutschen Ausgabe spricht von einer „verbotenen“ Liebe zwischen Blue und ihrem Lehrer. Das ist, pardon, kompletter Unsinn. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit Blues Schulzeit unter Wilson, in welcher nichts verboteneres zwischen ihnen geschieht als das ein Lehrer eine Schülerin herausfordert über ihre Selbstzweifel hinaus zu wachsen. Die, sich langsam und in keiner Weise unziemlich entwickelnde, Liebesgeschichte zwischen den nimmt eigentlich erst ab der zweiten Hälfte des Buches ihren Anfang, nach dem Blue die Schule abgeschlossen hat und aus finanziellen Gründen bei Wilson als Untermieterin einzieht.

 Die Liebesgeschichte zwischen Blue und Wilson ist eine weitere Stärke des Buches. Sie entwickelt sich langsam und glaubhaft, es ist eine sachte Annäherung in kleinen Schritten. Wilson lässt Blue Zeit sich zu entfalten, ihre Stärken zu erkennen und hilft ihr, wann immer sie ihn lässt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zusetzten.

 Die Geschichte um Blues Familie und wie und warum sie zu Jimmy Echohawk kam, greift nicht immer ganz glaubhaft ineinander, hier und bei ein paar anderen dramatischen Entwicklungen begeben wir uns schon gelegentlich auf Seifenopernniveau. Trotzdem, Blues Erinnerungen an ihren Ziehvater sind zutiefst Herzerwärmend.


Spoiler Sektion

 Ich habe es oben schon gesagt, gewisse Plotpunkte erscheinen etwas bedenklich.
Blue wird durch kurz vor Ende des Schuljahres Schwanger, da sie den Vater ihres Kindes nicht liebt und selbst nicht glaubt alleine für ein Kind sorgen zu können, gibt sie ihr ungeborenes Kind zur Adoption frei – an Wilsons Schwester.
 Für Melody wird somit irgendwann der Tag kommen an dem sie erfahren muss, dass die Schwägerin ihrer Mutter in Wahrheit ihre, Melodys, leibliche Mutter ist. Dürfte für eine interessante Pubertät sorgen.


 Der perfekte Wilson, versagt einmal mit Pauken und Trompeten.
Zum Ende des Buches hin, als Blue sich bereit macht eine Ausstellung ihrer Stücke zu Besuchen, sieht er sie komplett herausgeputzt und Spiegelt all die Vorurteile die Blue all die Jahre  über sich ergehen lassen musste und welche sie endlich hinter sich gebracht hat.
 Heuchlerischer Weise sagt er später er habe Blue immer geliebt und ihr Vertraut. Nun offensichtlich nicht so ganz. Es traurig und einer der ärgerlicheren Fauxpas im Buch das Wilson Blue zwar seine Liebe gesteht, aber diese Liebe offenbar nie tief genug, oder ehrlich genug ist ihn erkennen zu lassen das er sich an diesem Abend wie kompletter Bastard benahm und sich wenigstens aufrichtig dafür zu Entschuldigen. Das hat mir ganz persönlich die Freude am Ende ein Stück geschmälert.


Spoiler Ende


 Wer sich Amy Harmon einmal annähern will, liegt im Kern mit keinem ihrer Bücher falsch. Die Autorin ist ungemein lesbar, aber, ich möchte dies erneut unterstreichen da ich auch schon Kritiken zu ihren Büchern gelesen habe die ihr gerade dies ankreiden, man muss sich bewusst sein dass sie eine gläubige christliche Autorin ist. Das Verhältnis zu Gott oder finden zu Gott ist für ihre Protagonisten oft wichtiger Teil ihres Weges und/oder Wesens.
Meine persönliche Empfehlungspräferenz wäre es jedoch Making Faces (dt. Vor uns das Leben) vor A different Blue (dt. Für immer Blue) zu Lesen.



Zum Roman hat die Autorin auch einen Bonus Epilog verfasst, diese Szene kann hier finden:
http://totallybookedblog.com/2013/04/12/exclusive-epilogue-from-a-different-blue-by-amy-harmon/

Samstag, 1. Juli 2017

The Witcher / Der Hexer








 Die komplette Hexer-Saga 1, Andrzej Sapkowski
(dtv, 2017)


 Der letzte Wunsch: Geralt von Riva ist ein Hexer mit einem Spezialgebiet: Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Kampf gegen Ungeheuer aller Art – Drachen, Vampire, menschenfressende Bestien. Die Geschäfte gehen nicht schlecht, doch es gibt noch mehr, was ihn beschäftigt. Sein Herz gehört der schönen Zauberin Yennefer… 

 Zeit des Sturms: Kurz nach seiner Ankunft im Königreich Kermack wird Hexer Geralt von Riva verhaftet. Die Zauberin Koralle will ihn so zwingen, einen gefährlichen Auftrag anzunehmen. Er soll einen Dämon finden, der in Menschengestalt blutige Massaker verübt. Geralt, betört von der magischen Schönheit Koralles, nimmt den nahezu aussichtslosen Kampf gegen das Ungeheuer auf…

 Das Schwert der Vorsehung: Obwohl es sein Ehrenkodex als Hexer eigentlich verbietet, schließt sich Geralt von Riva einer Gruppe von Drachenjägern an – denn die Zauberin Yennefer, seine verlorengeglaubte Geliebte, ist unter ihnen. Aber die Interessen der Jäger sind zu unterschiedlich: Es beginnt ein Kampf jeder gegen jeden. Und ganz allmählich wird eine Bedrohung der festgefügten Ordnung spürbar...
 Quelle: Amazon.de


 Als als ich mich über das Witcher III Spiel für meine PS 4 informiert habe, bin ich in einer Computer Zeitschrift auf eine Randbemerkung gestoßen, dass Autor Andrzej Sapkowski dem Spiel, welches zu diesem Zeitpunkt zum Spiel des Jahres gekürt worden war, nicht zugetan ist. Dies ist allerdings auch schon alles, was der Artikel zu berichten wusste. Auf ein warum wurde nicht eingegangen – nur noch schnell darauf hingewiesen, das der Erfolg der Spielreihe dem Verkaufserfolg der Romane sicher ebenfalls zuträglich ist.

 Die Hexer Romane liegen nun in zwei Bänden als komplett Saga vor, Band 1 enthält auf knapp tausend Seiten* die ersten drei Bände, Band zwei die restlichen fünf Bände der Reihe.
Als Spieler fällt einem zuerst auf das sich der Geralt des Buches in seiner Beschreibung ein Stück vom Helden der Buchreihe unterscheidet, die Beschreibung seiner Figur erinnerte mich eher an Michael Moorcocks Elric von Melnibone. Das nächste das einem Auffällt ist das der Tond er Romane anders ist im Spiel, die Geschichten zeichnen das Bild eines verwahrlosten, undatierten Mittelalters. Eine Welt roher Sitten, offener Gewalt und loser Moral.
Die Spielemacher orientieren sich in ihrer Charakterisierung gefühlt stärker an der Heroic Fantasy, Sapkowskis Schreibstil hingegen ist eher ironisch gehalten, nimmt die typischen Fantasyelemente ein wenig auf den Arm. Hier stehen die Hexer Geschichten weit mehr in der Tradition eines Fritz Leiber, erinnern an die Abenteuer von Fafhrd und der Graue Mausling, nur sprachlich sehr viel derber gehalten.
Moralisch bewegt sich Geralt in einer definitiven Grauzone, er wird als klassischer Drifter dargestellt, so wie wir die Revolverhelden des Italo Western Genres kennen. Ein käufliches Schwert, dessen Moral sich oft dem Geldbeutel beugt.
 »Ja«, sagte Foltest widerwillig. »Von manchen höre ich das andauernd. Das Ungeheuer töten, denn es ist ein unheilbarer Fall. Meister, ich bin sicher, dass man schon mit dir gesprochen hat. Was? Dass du die Menschenfresserin ohne Zeremonien erledigst, gleich zu Beginn, und nachher sagst, dass es nicht anders ging. Der König zahlt nicht, wir zahlen. Eine sehr praktische Methode. Und billig. Denn der König lässt den Hexer köpfen oder aufhängen, und das Gold bleibt in der Kasse.« 
  »Der König wird den Hexer auf jeden Fall köpfen lassen?« Geralt verzog das Gesicht.       Foltest schaute dem Rivier lange in die Augen.     
 »Der König weiß nicht«, sagte er schließlich. »Aber der Hexer muss jedenfalls mit dieser Möglichkeit rechnen.«     
 Nun war es Geralt, der eine Weile schwieg.      
 »Ich habe vor, zu tun, was ich kann« sagte er schließlich. »Aber wenn es schiefgeht, werde ich mein Leben verteidigen. Ihr, Herr, müsst auch mit dieser Möglichkeit rechnen.«

 Inhaltlich mochte ich das Spiel mehr als die Erzählungen des Autors, dessen Geschichten zwar zeitweilig durchaus unterhalten können, er liefert eine überaus gelungene Variation auf die Geschichte von Schneewittchen ab, mir aber oft persönlich moralisch sich zu abseitig bewegen, in einem Zwischenspiel schläft Geralt mit einer Priesterin welche abwechselnd als „Mädchen“ und „Kind“ tituliert wird und generell hält es Sapkowski gefühlt mit der mittelalterlichen Tradition von Kindsbräuten in seinen Erzählungen. Die idee von Sex mit minderjährigen darf eine beim Lesen also nicht stören. Das Geralt zudem in einer Variation auf das „Die Schöne und das Biest“ Thema einem Vergewaltiger hilft seinen Fluch zu brechen... wie gesagt, hier findet sich die lose moralität des Italo Westerns wieder, Buch Geralt ist mehr Antiheld den strahlender Ritter.
 Als ich von Kaer Morhen auszog, träumte ich von der Begegnung mit meinem ersten Ungeheuer, ich konnte es nicht erwarten, ihm Auge in Auge gegenüberzustehen. Und dann war es so weit.     
 Mein erstes Ungeheuer, Iola, war kahlköpfig und hatte außerordentlich hässliche, schlechte Zähne. Ich begegnete ihm auf der Landstraße, wo es zusammen mit anderen Ungeheuern seinesgleichen, Marodeuren aus irgendeiner Armee, einen Bauernwagen angehalten und aus diesem Wagen ein Mädchen herausgezerrt hatte, vielleicht dreizehn Jahre alt, vielleicht noch jünger. Die Kumpane hielten den Vater des Mädchens fest, und der Kahlköpfige riss ihr den Rock vom Leibe und sagte, jetzt sei für sie die Zeit gekommen, zu erfahren, was ein richtiger Mann sei. Ich ritt heran, stieg ab und sagte dem Kahlkopf, dass auch für ihn die Zeit dafür gekommen sei. Ich hielt das für wahnsinnig witzig. Der Kahlkopf ließ das Mädchen los und stürzte sich mit einer Axt auf mich. Er war sehr langsam, aber hart im Nehmen. Ich schlug ihn zweimal, erst dann fiel er. Meine Hiebe waren nicht besonders sauber, aber sehr, sagen wir, beeindruckend, derart, dass die Kumpane des Kahlkopfs flohen, als sie sahen, was ein Hexerschwert aus einem Menschen machen kann …     
 Ich langweile dich doch nicht, Iola?     
 Ich brauche dieses Gespräch. Ich brauche es wirklich.     
 Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, bei meiner ersten edlen Tat. Weißt du, Iola, in Kaer Morhen ist mir eingehämmert worden, dass ich mich nicht in solche Angelegenheiten einmischen soll, sondern einen Bogen darum machen, nicht den fahrenden Ritter spielen und den Ordnungshütern nicht zu Hilfe eilen. Ich war nicht ausgezogen, um mich auszuzeichnen, sondern um für Geld die mir aufgetragenen Arbeiten zu erledigen. Ich aber mischte mich wie der erste beste Dummkopf ein, noch ehe ich fünfzig Meilen vom Fuß des Gebirges entfernt war. Weißt du, warum ich das tat? Ich wollte, dass das Mädchen mit Tränen der Dankbarkeit mir, ihrem Retter, die Hand küsste und ihr Vater mir auf Knien dankte. Stattdessen war der Vater zusammen mit den Marodeuren weggelaufen, und das Mädchen, das den größten Teil vom Blute des Kahlkopfs abbekommen hatte, übergab sich und bekam einen hysterischen Anfall, und als ich mich ihr näherte, war sie starr vor Angst. Seither habe ich mich in derlei Geschichten nur noch sehr selten eingemischt.     
 Ich habe meine Sache gemacht. Schnell lernte ich, wie man es anstellt. Ich bin zu den festen Wohnsitzen im Lande geritten, habe unter den Palisaden von Siedlungen und Städten haltgemacht. Und gewartet. Wenn ich angespuckt wurde, beschimpft und mit Steinen beworfen, bin ich weggeritten. Wenn stattdessen jemand herauskam und mir einen Auftrag gab, führte ich ihn aus.

Fazit ist, wer den Hexer nur aus dem Spiel kennt, der trifft in den Erzählungen zwar auf allerlei Bekanntes, wie die schwarzäugige Zauberin Yennefer, der Geralts Herz gehört, und Kaer Morhen, der Stätte an welcher die Hexer gemacht wurden, aber eingebettet in eine weitaus düstereres, schmutzigeres Szenario.
Sapkowskis Fantasy ist eine Hund frisst Hund Welt die wenig Platz hat für Heldentum und Ritterlichkeit.

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* Die Amazon Seite zeigt nur die Seitenzahl des ersten Bands der Sammlung!
  Sammelband zwei dürfte überschlagen etwa fünfzehnhundert Seiten umfassen.

Montag, 26. Juni 2017

Commercial Break

 Disclaimer:
Ich habe nur den ersten Sammelband gelesen -  Not my 1st Rodeo - und, ich gebe es zu, mochte davon nur Donna Alwards Geschichte, bei den anderen Autorinnen überwog für mich der Sex die Romantik. 
I.e. war nicht ganz meine Richtung. 
Trotzdem, im Sinne eines Support your (not quite) local author ein wenig Werbung für die zweite Sammlung:





Who doesn't love a sexy cowboy? In this new release from Entangled Select Contemporary, there's not one...not two...but THREE sexy cowboys to sweep you off your feet. With three novellas from Donna Alward, Jenna Bayley-Burke, and Sarah M. Anderson, you're sure to find the Southern gentleman of your dreams!
***


  

About the NOT MY FIRST RODEO 2 Boxed Set:

In Donna Alward’s Seducing the Sheriff, Cassidy’s first foray into online dating is an unqualified disaster. Witness to a bank robbery, she’s now in danger. Sexy sheriff Joe Lawson is willing do whatever it takes to protect her, even if that means hiding her away in his secluded mountain cabin. In Roping the Rancher by Sarah M. Anderson, all Tommy knows is girls his own age don’t do it for him. Carly has no interest in being anyone’s cougar, but when Tommy says he’ll do whatever she tells him to, she can’t resist the chance to take what she wants from a man with no strings attached. But no one said anything about scarves… In Jenna Bayley-Burke’s Captivating the Cowboy, aspiring designer Jules is about to head to New York. Before she leaves, she’s going to help widower Slade Weston find the perfect ranch wife, but finding his forever turns into schmexytimes. Jules doesn’t want to be a wife and mom, and Slade isn’t moving across the country. It’s just a fling, until she’s not sure where she truly belongs.

Purchase the book!

***

Übrigens, wer sich Kostenlos davon überzeugen will ob Donna Alwards Schreibstil zusagt:

Almost a Family

Freitag, 23. Juni 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 18



Ein Buch, das Du auf keinen Fall Deiner Mutter geben würdest.
  
Geschichte der O, Pauline Réage






Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht?
 
Goldfinger.
Gert Fröbe ist der mit Abstand charismatischste Bondgegner:
"Erwarten sie von mir das ich rede?"
"Nein Mr. Bond, ich erwarte von ihnen dass sie Sterben."

Sonntag, 18. Juni 2017

Dark Universe








Dark Universe, Daniel F. Galouye
(Mantikore, 2017)


Buchtext:
 Jared gehört zu den "Überlebenden". Vor Jahrhunderten löschte ein gewaltiger Krieg die menschliche Zivilisation aus und machte die Erde unbewohnbar. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe konnten sich in ein unterirdisches Tunnelsystem retten. Seit Generationen leben sie im Untergrund - ohne Licht - in völliger Dunkelheit. Ihre Sinne haben sich perfekt an die ewige Nacht angepasst. Erinnerungen an die alte Welt, sogar an Licht, sind nicht mehr als Legenden – bewahrt in den Mythen der Überlebenden. Jared will den Geschichten auf den Grund gehen und wagt den riskanten Aufstieg...

 Dark Universe erschien erstmals 1962 zur Zeit des Kalten Krieges. Die post-apokalyptische Vision einer vom Atomkrieg zerstörten Zivilisation war für den Hugo Award nominiert. Ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur.


 Daniel F. Galouye gehört zu den wichtigen SF Autoren seiner Zeit, trotzdem scheint es dass  abgesehen von seinem zweifach verfilmten Simulacron-3* seine Geschichten und Romane inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheinen. Galouye bewegte sich als Autor in einem ähnlichen Feld wie der weitaus bekanntere Autor Philip K. Dick, seine Geschichten tendieren gleichfalls in das Feld der Fantasy, ohne jedoch, im Gegensatz zudem wie Dick es gelegentlich tat, diesen Punkt wirklich zu überschreiten.
 Auch für Galouye ist die SF oft mehr Vehikel für philosophische Betrachtungen gewesen, welche wie in Dark Universe in unterhaltsam abenteuerliche Geschichten zu fassen wusste.

 In seinem Dark Universe steht die Warnung vor der Atomaren Bedrohung eher zweitrangig da. Vielmehr thematisiert der Autor im Gewand eines SF Abenteuerromans zeitbezogene Probleme wie Religion, Sektentum und Ausgrenzung. Ganz unmittelbar geht es dem Autor jedoch einfach um das Gedankenspiel einer Menschheit die in absoluter Dunkelheit überleben muss. Die Überlebenden, denen Hauptcharakter Jared angehört haben hierfür (durch Strahlungsmutation?) ein hochsensibles Gehör, ähnlich dem der Fledermäuse, entwickelt, welches sie ihre Umgebung mittels Echowahrnehmung erfassen lässt. Von dieser Prämisse ausgehend entwickelt der Autor seine Geschichte um eine Gesellschaft für die „Licht“ ein Mythos ist, ein Relikt vergangener Tage von dem sie nur Wissen das es einst um sie war.
 Galouye präsentiert uns eine gleichermaßen wahnwitzige, wie im Kontext überzeugende Religion die das Licht mit Gott gleichsetzt und welche in Furcht vor der Oberwelt und ihren Teufeln lebt, namentlich Kobalt, Strontium und Wasserstoff höchstpersönlich.

 Doch Jared ist ein Zweifler, er misstraut der Religion und möchte auf eigene Faust herausfinden was Licht ist. Diese Suche, wird behindert durch gräulichen „Subflatterer“, ins gigantische mutierte Fledermäuse, und die ständige bedrohung durch Überfälle der Zivver, einem abgelegen lebenden Menschenstamm, welche sich auf eine den Überlebenden unbekannte Weise zu orientieren vermögen ohne auf ihre Ohren angewiesen zu sein.
Die Suche führt Jared uns seinen Freund über die „Barriere“ welche den verbotenen Weg in die Oberwelt abgrenzt, eine Zone durchstreift von Monstern die lautlose Töne von sich geben und ihre Opfer betäuben um sie dann für ungewisse Zwecke zu Verschleppen.

 Bereits nach wenigen Seiten schafft es der Autor uns so komplett in seine Ideen zu involvieren das wir uns tatsächlich vorstellen können wie wir an der Seite Jareds durch eine ewige Dunkelheit jagen, sich vor uns eine Welt entfaltet die für uns nur noch aus Schalleindrücken besteht.

 Kritisieren lässt sich nur dass sich der Autor im Mittelteil in gefühlt unnötigen Passagen verliert, die zwar nicht weniger Spaß machen zu lesen, aber ultimativ die Geschichte nicht bereichern sondern eher dazu geneigt sind das sorgfältig aufgebaute Konstrukt der Glaubwürdigkeit zu Erschüttern, wenn zum Beispiel der Autor weitere Mutationen einfließen lässt, wohl nur um einem bereits gemachten Punkt Nachdruck zu verleihen.

 An der Übersetzung selbst fällt auf dass das Lektorat leider nicht so sorgfältig ausgefallen ist, wie es hatte sein können. Da der Mantikore Verlag aber als unabhängiger Kleinverlag sicher stärker auf seine Kostendeckung achten muss, und mit der Veröffentlichung eines nicht mehr so bekannten Autors hier sicherlich ein gewisses höheres Risiko eingeht, lässt sich dies meiner Meinung nach leicht nachsehen.


 Die Geschichte, soviel sei Verraten, endet eher antiklimatisch, es gibt keine wirklich überraschende Wendung zum Ende hin und mir stellte sich das Gefühl ein das der Autor hier besser beraten gewesen wäre hätte er das Ganze auf eine Kurzgeschichte oder Novelle Konzentriert. Trotzdem gilt als Fazit das Daniel F. Galouye zu den Autoren gehört die jeder ernsthafte SF-Fan gelesen haben sollte, insbesondere möchte man ihn dabei natürlich, siehe oben, den Philip K. Dick Fans nahelegen.

 Mein Dank an den Mantikore Verlag, dafür das sie diesen Klassiker der SF wieder einem deutschen Publikum verfügbar machen und für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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* Als zweiteiliges Fernsehspiel Welt am Draht, von Reiner Werner Fassbinder in1973, und
  unter dem Titel The Thirteenth Floor, von Josef Rusnak (Produzent Roland Emmerich) in 1999.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Mort(e)








Mort(e), Robert Repino
(Luzifer Verlag, 2016)


Kurzinhalt:
 Der »Krieg ohne Namen« hat begonnen, und sein Ziel besteht darin, die Menschheit auszurotten. Eingefädelt wurde er von der Kolonie, einer Rasse intelligenter Ameisen, die über Jahrtausende hinweg heimlich eine Armee aufgebaut haben, um die menschlichen Zerstörer und Unterdrücker für immer von der Erde zu tilgen.
Unter den wachsamen Augen der Kolonie soll eine Utopie frei vom Hang der Menschen zu Gewalt, Ausbeutung und religiösem Aberglauben entstehen. In einem letzten Schritt ihrer Kriegshandlungen verwandelt die Kolonie die Tierwelt auf der Erde in zu Höchstleistungen fähige Zweibeiner, die sich erheben und ihre Herren vernichten sollen.

 Mort(e), ein ehemaliger Hauskater, der zum Kriegshelden avancierte, ist berüchtigt dafür, die gefährlichsten Aufträge anzunehmen und gegen die gefürchtete menschliche Biowaffe EMSAH anzukämpfen. Was ihn jedoch tatsächlich zu derartigem Draufgängertum treibt, ist seine andauernde Suche nach jemandem, mit dem er vor der Verwandlung befreundet gewesen war: der Hündin Sheba.
 Als er die Nachricht erhält, dass Sheba noch am Leben sein soll, tritt er eine Reise an, die ihn von den verbliebenen menschlichen Festungen ins Herz der Kolonie führt, wo er von den Ursprüngen von EMSAH und dem endgültigen Los aller Lebewesen der Erde erfahren wird.


"Die Kreaturen draußen blickten von Schwein zu Mensch, und von Mensch zu Schwein, und zurück von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen wer welches war."
― George Orwell, Farm der Tiere

 Wir folgen im Buch Sebastians „erwachen“, seinem Vordringen in das Kriegsgebiet auf der Suche nach der verlorenen Sheba, seiner Gefangennahme durch und späteren Aufnahme in die Red Sphinx, erleben den Beginn vom Aufbau einer Zivilisation der Tiere, und das letzte Aufbäumen der Menschheit.

 Hierbei konstatiert der Kater wie der Aufstand gegen die Grausamkeit der Menschen, sich letzten Endes nur in Grausamkeiten gegen die Menschen ergeht. Wie bei Orwell lässt sich bald nicht mehr sagen wer nun wer ist, denn Tiere wären eben doch nicht die besseren Menschen, scheint einem das Fazit des Autors zu sein.

 Repino reflektiert über unseren Umgang mit der Natur, mit Haus- und Nutztieren und über den Sinn einer Revolution, wenn diese sich am Ende doch nur der selben Methoden bedient, gegen die man einst so stolz zu Felde zog.
So ganz nebenbei geht es noch um Sinnsuche und religiösen Extremismus.

 Mort(e) von Autor Robert Repino ist sprachlich wie stilistisch nicht ganz so ausgefeilt wie man sich dass, vor allem angesichts der philosophischen Ansätze, eventuell wünschen könnte. Der Autor schreibt in kurzen, einfachen Sätzen und wechselt kurze actionbetonte Passagen mit längeren Erzählenden, was die Geschichte, obwohl durchaus spannend zu lesen, mit einer gewissen Trägheit fortbewegt und ihr Potential nie ganz auszuschöpfen lässt.
Hier illustriert Repino den Wahrheitsgehalt der „show don’t tell“-Regel (in etwa: zeigen nicht sagen).

Aber als Fan apokalyptischer SF kann man mit der Geschichte seinen Spaß haben, so man bereit ist sich auf die Prämisse einzulassen ohne deren wissenschaftliche Basis großartig zu hinterfragen – in dieser Beziehung ist Mort(e) natürlich dass was Autor Norman Spinrad abfällig als reine Fantasy tituliert hätte.
 Repino entwickelt seine Story jedoch konsequent und innerhalb der gesetzten Parameter durchaus logisch fort. Das Geheimnis um die Seuche EMSAH hält dabei mühelos den Spannungsbogen der Geschichte aufrecht, bis hin zur ebenso simplen wie logischen Auflösung.
Die Frage um das Schicksal von Sheba, die fast Liebesgeschichte im Buch, liefert einen dramatischen Unterbau und hilft einem bei der Identifikation mit Mort(e) als Charakter.

 "Sebastian entschied Mort(e) genannt zu werden. Namen waren eine sehr wichtige Sache.
 ... Sebastians basierte auf einem Wort, das ihm mal in einer der alten Bibliotheken begegnet war und Tod bedeutete. Er war gestorben, hatte getötet und würde wieder töten. Also passte der Name. Dieser konnte aber auch der eines gewöhnlichen Typen namens Mort sein, der bedeutete, von Liebenden umgeben zu sein. Dieses Leben war noch da draußen, aber es musste warten, daher die Notwendigkeit, das E in Klammern zu setzen. Die Dinge könnten in die eine oder andere Richtung verlaufen. Sie verliefen immer in die eine oder andere Richtung."

 Das Buch wird gerne und oft als von Lobgesang auf Leibwitz inspiriert bezeichnet, worüber ich allerdings wenig sagen kann, da ich Lobgesang nie gelesen habe, und die Anlehnung an Orwells Farm der Tiere ist vom Autor offen zugestanden.
 Letztere zeigt sich zum einen in Mort(e)s Wahrnehmung der Tatsache das die Tiere sich nun, da sie Intelligenz besitzen, zunehmend wie die Menschen verhalten. Die Red Sphinx, eine Eliteeinheit gebildet von Katzen, denen sich Sebastian gezwungenermaßen anschließen muss auf seiner Suche nach Sheba, zeigt Argwohn gegenüber allen Nicht-Katzen, und in den Siedlungen welche am Ende des Krieges entstehen zeigt sich die selbe Neigung zu Vorurteilen gegenüber Vertretern anderer Rassen.
 Zum anderen zeigt sich die Anlehnung gegen Ende hin im offenen hat tip, wenn es gerade das Schwein Bonaparte* ist, als einziges „Beutetier“ eine Art Maskottchen der Red Sphinx die sich nach dem Krieg auch anderen Spezies öffnen, welches in einer praktischen Umkehrung der Schlüsselszene aus Farm der Tiere seinen Kameraden gegenüber Mort(e)s Beobachtungen laut Ausdruck verleiht.

 Persönlich neige ich dazu die Geschichte als ein Kind von Farm der Tiere und Formicula zu sehen, mit Phase IV als Pate. Überhaupt, wer ein Fan vor allem jener SF-Filmklassiker ist, kommt um Mort(e) kaum herum. Das Bild einer dem Untergang geweihten Menschheit im Kampf gegen hoch technisierte, panzergroße Ameisen lässt das Fanherz höher schlagen, auch wenn der eigentliche Krieg leider eher kurz abgehandelt wird.

Man muss es Robert Repino schon anrechnen, sprachlich arbeitet er ohne große Feinheit, aber er schafft es seiner Geschichte multiple philosophisch mahnende Anklänge zu verleihen, ohne sie je damit zu überladen – am Ende belibt Mort(e) ein großes Abenteuer, das ungeachtet gewisser Längen bis zum Schluß gut Unterhält.

 Wer übrigens den Endzeit Comic Solo von Oscar Martin kennt und mag, sollte Repinos Buch ebenfalls einen Blick gönnen. Die beiden Schlagen in eine sehr ähnliche Bresche, wobei sich Martin, ein Stück weit defätistischer und Blutiger, auf ein Mad Max Szenario baut.

Auch dem Luzifer Verlag gebürt an dieser Stelle Lob, mit Mort(e) hat der Verlag einen ungewöhnlichen, lesenswerten SF Roman dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht und die Covergestaltung gefällt mir hier tatsächlich einen Tick besser noch als das US-Original.
Die Übersetzung weist zwar manche Schwächen auf, die aber dem Lesevergnügen keinen Abruch tun.

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* Offensichtlich benannt nach Napoleon, dem Anführer der Tiere in Orwells Farm der Tiere.
Beziehungsweise, in der Logik des Buches, von Bonaparte hier nach ausgewählt.
 Spoiler
 Bonaparte ist der einzige überlebende aus seiner Farm, und hat die Graussamkeit des Überlebenskampfes und des "Recht des Stärkeren" am eigenen Leib erlebt, das er sich nach dem Schwein aus Orwells Buch benennt, ist eine treffende Darstellung seines Schuldkomplexes und wie er sich und diese Herrschaft der Tiere in dieser neuen Welt wahrnimmt.
 Spoiler

Freitag, 2. Juni 2017

Klare Sache das... (II)


 Das kommt ihm jetzt vieleicht persönlich vor, ist es aber nicht, ich arbeite mich nur gerade durch meine Romane aus dem Luzifer Verlag, und dabei stoße ich eben auf solcherlei Stilblüten.
Auch hier gilt: Übersetzung Andreas Schiffmann (aus Mort(e), von Robert Repino).
 "Stattdessen griff sein Herr mit erhobener Klinge an.
  Sebastian hielt den Atem an und fuhr am Lauf entlang, bis sein Finger den Abzug erreichte. Er feuerte. Der Schuss riss ein glänzendes Loch in seine Brust und stieß ihn unter sprühend rotem Nebel zu Boden. Das Messer wirbelte durch die Luft, bevor es klappernd auf der Küchentheke landete. Daniel bewegte seinen Mund im vergeblichen Versuch, zu sprechen."

 Also wie jetzt?
Sebastian drückt ab, bläst sich ein Loch in den Körper und Daniel stirbt daran... auch wenn der Absatz so aufgebaut ist, was der Übersetzer wirklich schreiben wollte, ist das Sebastian auf Daniel schießt und dieser mit einem Loch in der Brust zu Boden geht.
Genau so steht es im original Text:
 "He fired. The blast opened a glistening hole in the man's chest, dropping him to the floor beneath a spray of red mist."

 Dies ist zudem leider kein Einzelfall im Buch, in zumindest einem weiteren Absatz unterläuft dem Übersetzer noch so ein Schnitzer. Das verwundert, denn wenn man Repino's Werk im Original betrachtet, muss man feststellen dass der Autor sich kurzer Sätze in simpler Sprache bedient - Mort(e) war sein Debutroman - welche kaum Übersetzungshürden schaffen dürften.

Samstag, 27. Mai 2017

Projekt Luna








 Projekt Luna, Algis Budrys
(1965, Heyne)


 In den frühen sechziger Jahren gelingt es den Amerikanern den Sieg im Raumfahrtwettlauf zu erringen, sie landen vor den Russen auf dem Mond. Dort findet sich ein geheimnisvolles, unerklärliches Labyrinth, offenbar das Artefakt einer außerirdischen Zivilisation. Es ist einem Menschen möglich in das Artefakt einzutreten, doch kann er es nicht auf demselben Weg verlassen – nur tote Materie kann in beide Richtungen bewegt werden. Im Inneren bedeutet jede falsche Bewegung den Tod, jeder Schritt, jedes Plus an Information wird mit einem Menschenleben bezahlt - bis man eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem gefunden glaubt.
 Eine Bahnbrechende Erfindung erlaubt es einen Menschen auf der Erde abzutasten und als Information auf den Mond zu senden um ihn dort wiederherzustellen, während er mit einer Kopie seines Körpers auf der Erde verbunden bleibt; doch die Todeserfahrung ist zuviel für den menschlichen Geist, die Testpersonen verlieren den Verstand beim Tod ihrer Kopie.
Darum beschließt man auf einen Todessehnsüchtigen zurückzugreifen...


 Budrys’ Roman habe ich vor rund dreißig Jahren mit Begeisterung verschlungen, die Geschichte wartet mit einem intelligenten Gedankenspiel auf welches SF und Horror nachhaltig beeinflusst haben. Die Idee eines hermetisch abgeriegelten Komplexes, eines mit Fallen gespickten, tödlichen Irrgarten durch den sich die Protagonisten einen Weg kämpfen müssen, ist inzwischen ein beliebter Genre Standard.
 Persönlich wage ich die Vermutung aufzustellen dass Projekt Luna auch den Autoren des Erfolgsfilms The Cube geläufig gewesen ist, und sie zu ihrer eigenen Version der Geschichte inspiriert haben dürfte.

 Leider beginnt und endet hiermit mein Lob für Budrys’ Erzählung auch schon.
Beim erneuten Lesen der Geschichte stehe ich etwas ratlos da, was die Faszination für mein jüngeres Selbst daran ausgemacht haben mag. Dabei ist es keineswegs die aus heutiger Sicht geradezu lächerlich wirkende Technik welche den Roman runiert, das Bild einer Maschine die einen Menschen für einen späteren Abruf  auf Magnetband speichert, muss selbstverständlich Antiquiert wirken.
 Es ist vielmehr dass Budrys zwar diese faszinierende Idee in den Raum wirft, sie für ein paar  Kapitel auch Atmosphärisch ausgestaltet, die Neugier des Lesers darauf weckt was da auf dem Mond steht, uns gerade genug Details über die Tode früherer Versuchspersonen gibt um uns ein angenehmes Gruseln zu bereiten... dann aber jegliches Interesse an einer Fortentwicklung seiner Geschichte verliert und sich nur noch im pseudo-psychologischen Schlagabtausch seiner Charaktere über den „Wert eines Mannes“ ergeht.
 Hundert Seiten Schwanzvergleich später kehrt der Autor zwar noch einmal zurück zu seinem Mondartefakt, aber es scheint ab da nur ein Nachgedanke.

 Der gesamte Inhalt, soweit er sich auf das tatsächliche SF Element bezieht wird vom Autor etwa ab der Hälfte des Romans in zwei Dialogblöcken eingebracht, welche eigentlich alles beleuchten was der Autor hierzu sagen wollte:
 »Hören Sie, Doktor«, sagte Barker und schlug mit der flachen Hand auf den Ordner, »wenn man diesen Berichten glauben will, kann eine bestimmte falsche Bewegung bedeuten, daß ich in meinem Anzug verblute, ohne nachher Anzeichen von Gewaltanwendung aufzuweisen. Mache ich dagegen eine andere, bin ich von der Hüfte ab gelähmt, so daß ich auf dem Bauch weiterkriechen muß. Aber das wiederum scheint dieses Ding zu reizen, denn es zerquetscht mir plötzlich den Schädel, als sei er eine überreife Tomate. Und so geht es fröhlich weiter …
   Wenn ich nicht wie ein Seiltänzer auf jeden Schritt achte und gleichzeitig im richtigen Augenblick am richtigen Ort bin, erreiche ich nicht einmal die Grenze des bisher erforschten Gebiets. Mit anderen Worten — ich habe nicht die geringste Aussicht, dieses Gebilde lebend zu verlassen.«
   Hawks nickte. »Selbst wenn Sie gar nichts tun, sind Sie nach zweihundertzweiunddreißig Sekunden ein toter Mann«, stimmte er dann zu. »Selbst wenn Sie sich nicht von der Stelle rühren, läßt das Gebilde Sie nur so lange am Leben wie Ihren Vorgänger. Diese Zeitspanne wird größer, je weiter Sie vordringen. Wir wissen allerdings nicht, warum es sich durch menschliche Anstrengungen dazu bewegen läßt. Es ist sogar wahrscheinlich, daß das nur eine Zufallserscheinung seines eigentlichen Zweckes ist — wenn es überhaupt einen hat.
   Vielleicht ist es das außerirdische Gegenstück zu einer weggeworfenen Konservendose. Weiß ein Käfer, daß er nur von einer Seite in ihr Inneres gelangen kann, wenn er sie vor sich liegen sieht? Begreift der Käfer, warum es schwieriger ist, an den Wänden entlangzukriechen, anstatt einer geraden Linie zu folgen? Kann man den Käfer als dumm bezeichnen, wenn er annimmt, daß die Menschen die Dose absichtlich an diese Stelle gelegt haben, um ihn zu quälen? Oder kann man sein Verhalten egozentrisch nennen, wenn er sich einbildet, die Dose erfülle nur den Zweck, ihm ein Rätsel aufzugeben?
   Für den Käfer wäre es am besten, wenn er die Dose, so gut er eben kann, auf die für sie geltenden Gesetzmäßigkeiten untersuchen würde. Diese Methode setzt natürlich einige Intelligenz voraus. Aber dafür besteht die Möglichkeit, daß der Käfer nach einiger Zeit sogar herausbekommt, wer die Dose weggeworfen haben könnte.«
 Budrys nimmt hier eine in der SF wiederkehre Frage ins Visier. Wenn wir mit einem uns unbekannten Objekt konfrontiert werden, welches sich unseren Erfahrung komplett entzieht, könnten wir verstehen welchem Zweck es dient?
 Beim wieder lesen der Geschichte drängt sich einem natürlich sofort der Vergleich zum oben erwähnten Film The Cube auf, der das Thema zentraler stellt und sehr viel besser Handhabt, oder zu King’s Auflösung seines Romans Arena.
 Wie gesagt, leider ist dies, bis kurz vor Ende, alles was wir tatsächlich über das Artefakt zu hören bekommen, und auch wenn dieser Abschnitt alles enthält was wir darüber wissen müssen, Enttäuscht es einen als Leser. Bei GoodReads bin ich allerdings auf den Hinweis gestoßen das Budrys Geschichte ursprünglich wohl nur eine Kurzgeschichte war, welche später erst auf Roman Länge erweitert wurde.
Was jedoch der Autor hierfür als Füllstoff in die Geschichte wirft, dass Ärgert nur:
 »Frauen …«, sagte Hawks ernsthaft, »Frauen waren mir immer ein Rätsel. Ich brauchte nicht sehr lange, um herauszubekommen, daß das Leben nicht so ist, wie es in gewissen Büchern dargestellt wird. Nein, da gab es noch etwas anderes — was, weiß ich heute noch nicht, aber jedenfalls hängt es mit Frauen zusammen. Damit meine ich allerdings nicht die rein physische Seite des Problems, sondern eine speziell weibliche Eigenart, die ich nie begreifen konnte.
   Ich konnte nicht begreifen, welchen Zweck diese vernunftbegabten Wesen erfüllten, die neben den Männern existierten. Wenn Frauen nur dazu da waren, um die Fortpflanzung der menschlichen Rasse sicherzustellen, wozu brauchten sie dann Intellekt? Dazu genügen schließlich Instinkte. Dabei besaßen sie diese Instinkte, wozu also die Intelligenz? Ich habe dieses Problem nicht lösen können. Es ist mir immer noch ein Rätsel.«
 Das einzig nennenswerte dass mir zu dieser und ähnlichen Passagen einfällt, ist wie erschreckend sie etwas ähnelt das eine andere Leserin zu Larry Nivens Known Space Universum angemerkt hat, dass er der einzige SF Autor ist, in dessen Werk es gleich drei außerirdische Rassen gibt bei denen die Weibchen über keinerlei Intelligenz verfügen.
In unserem Zeitalter, wäre Hawks, wie auch Nivens Aliens, ein Talibanfreund geworden.


 Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt am Ganzen ist eine recht missverständliche Passage im Buch:
 »Salve Caesar, morituri te salutant«, sagte er, als er durch das Tor ging. »Wir erhöhen Ihren Ruhm durch unseren Tod.«
   Hawks runzelte die Stirn. »Ich habe in der Schule auch Latein gehabt«, sagte er. »Stecken Sie sich Ihr Abzeichen an und kommen Sie mit.«
 Für jemanden der mit dem lateinischen Ausspruch „Ave Caesar, die dem Tod geweihten grüßen dich“ nicht vertraut ist, stellt sich Barkers Zusatz wie eine Übersetzung dar, und es bleibt unklar ob Budrys dies mit Absicht tat oder sich selbst der genauen Bedeutung unklar war. Ein Blick in den Originaltext zeigt zumindest dass der Übersetzer den Austausch aus Budrys’ Version korrekt im Deutschen wiedergibt.

Donnerstag, 25. Mai 2017

75 years of Casablanca

 
Heute vor 75 Jahren fiel der Startschuß zu Casablanca.


Nun ja, genaugenommen fiel der schon früher, und zwar als die Autoren Murray Burnett und Joan Alison sich daran setzten das Stück Everbody comes to Rick's zu verfassen.
Dieses landete nach der Ablehnung durch diverse Studios, letztendlich bei Warner Brothers
 It wouldn't have been the same movie, not only because it would have starred Gary Cooper at Paramount, Clark Gable at M-G-M, or Tyrone Power at Fox but because another studio's style would have been more languid, less sardonic, or opulently Technicolored.*
 und dort begann am 25.05.1942 der erste Drehtag an dem Film der für das Studio Geschichte schreiben sollte.


 Durch Casablanca wurden Richard Blaine und Ilsa Lund Teil der unsterblichen Hollywoodliebespaare, obgleich der Film  für die beiden Hauptdarsteller nur eine weitere Vertragsarbeit darstellte.
Dies nimmt sich ein wenig Ironisch für den Darsteller des Rick aus, schrieb doch ein Kritiker einst über den jungen Humphrey Bogart er sei in der Rolle des Liebhabers fehlbesetzt - nun, die Rolle des herzgebrochenen Zynikers zumindest war im wie auf den Leib geschneidert.

"We'll always have Paris. We didn't have- we... we'd lost it until you came to Casablanca."

 Entgegen der Legende, war Casablanca keine der klein Produktionen des Studios, binnen Wochenfrist abgedrehte Streifen die oft nur wenige Wochen zirkuliert wurden und dann im Archiv verschwanden. Das gehobene Budget und der Eifer mit dem Studio Chef Jack L. Warner sich darum bemühte Ingrid Bergman von David O. Selznick ausgeliehen zu bekommen für die Rolle der Ilsa Lund spricht dagegen.
 Trotzdem konnte man damals natürlich nicht ahnen das man im Begriff war einen der populärsten Hollywood Filme zu drehen welcher immer noch fester Bestandteil vieler Top 100 Listen ist.

 Was macht Casablanca aus, das es so lange in den Köpfen und Herzen der Zuschauer überlebt hat?
Die brilliante Cast hat sicher ihres dazu beigetragen, Bogart und Bergman, das Filmliebespaar ohne Zukunft, Claude Rains als aalglatter Polizeichef, sowie Paul Henreid und Conrad Veidt, es fehlt dem Film nicht an Stars, mit Sidney Greenstreet und Peter Lorre ist der Film bis hinein in die Nebenrollen perfekt besetzt. Der offen politische Ton des Films dürfte vor allem den Geist des amerikanischen Publikums jener Tage getroffen haben.

Warner, ein Patriot durch und durch, fand hier vor allem Unterstützung durch den Drehbuchautor Howard Koch. Dass der politische Ton hierbei abgefedert wurde durch seine Co-Autoren, namentlich den Epstein Brüdern, dürfte dem Erfolg des Filmes geholfen haben.
Und in einzelnen Dialogzeilen gelingt auch die perfekte Symbiose zwischen Kochs Bestreben eine politische Botschaft zu senden und dem Bestreben der Epstein Brüder dem Film mehr Humor zu verleihen:
"Captain Renault: Carl, see that Major Strasser gets a good table, one close to the ladies.
 Carl: I have already given him the best, knowing he is German and would take it anyway.
"
 Das Drama einer großen unerfüllten Liebe, die geschickte Mischung aus Humor und politischer Botschaft, das exotische Setting und die Chemie zwischen den Darstellern, all dies zusammen ist es das Casablanca zu einem Zeitlos unterhaltenden Werk gemacht hat.


 Dazu bescherte uns Casblanca ein paar der berühmtesten Filmzitate, von "Ich schau dir in die Augen, kleines" (Original: "Here's looking at you, kid") bis zu "Play it again, Sam" (Spiel es nochmal, Sam), einem der bekanntesten nie im Film selbst vorkommenden Filmzitate. Ein "Play it again, Sam" ist jedoch wohl griffiger und universeller verwendbar (ganz zu Schweigen von einfacher zu behalten) als "Play it once, Sam, for old times sake".

 Ein beachtlicher Erfolg für das Autoren Duo Burnett & Allison, und ein unproduziertes Theaterstück. Erst viele Jahre später sollte es Burnett gelingen sich die Rechte an seinem Stück zurückzukaufen und es endlich zur Aufführung zu bringen, mit nur mäßigem Erfolg.
Der Film hingegen, wurde Kult und insprierte nicht nur unzählige Persiflagen - dem jüngeren Publikum dürfte zumindest Hot Shots II geläufig sein - er fand auch unter anderem Verwendung in Larry Nivens Kzin Wars Romanen, Jerry Pournelle & S. M. Stierling versetzen hier die Filmstory in ihrem Beitrag zu Man Kzin Wars II kurzerhand auf ferne Welten.


"Louie, I think this is the beginning of a beautiful friendship"

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 * Zitat entnommen aus dem Buch Verhaften sie die üblichen Verdächtigen von Aljean Harmetz.
     Dialog Zitate entstammen dem Film, Script: Howard Koch, Julius & Philip Epstein.

Dienstag, 16. Mai 2017

Klare Sache das...


 Beim stöbern im Netz stößt man in englischsprachigen Fori ganz gerne auf die Aussage „Ich mag die Deutsche Sprache weil sie klar und geordnet ist.“ Aber dann begegnen mir in schöner Regemäßigkeit Sätze die mir dazu ein „Ach, wirklich?“ abringen.
Wie dieser, aus Jeremy Bates’ Suicide Forest (Luzifer Verlag, übersetzt von Andreas Schiffmann):
 Ich warf Mel, die neben mir auf ihrer Unterlippe kaute und den Kopf nach vorne geneigt hatte, um zu sehen, wohin sie trat, einen intensiven Blick zu.
Wie, kaut er mit auf ihrer Unterlippe und sie daneben, oder was?

Montag, 8. Mai 2017

Cover Monday

 Cover Monday präsentiert von Moyas Buchgewimmel.



 Ist wieder einmal ein paar Tage her das ich am Cover Monday teilgenommen habe. Recht zufällig bin ich auf ein Jugendbuchcover gestoßen das mich sofort angesprochen und in Nostalgie hat schwelgen lassen:
 The Catch Colt von Mary O'Hara (1964).

 Mädchen, Pferde, Abenteuer - das ist ein Stoff mit dem sich judgendliche begeistern lassen, ein Buch welches ich in meiner Jugend wohl sofort in die Hand genommen hätte. Und wenn ich mir das Erstveröffentlichungsjahr so betrachte kein Wunder, es ist ja so gesehen ein Buch aus meinen vor Jugendtagen (nein, '64 war ich noch nicht unterwegs) und steht mit seinem Stil recht repräsentativ für die Covers mit denen ich aufgewachsen bin.

Dienstag, 2. Mai 2017

Casino Royale








Casino Royale, Ian Fleming
(Cross Cult, 2012)


Kurzinhalt:
 Der Chef des britischen Geheimdienst, M, schickt Bond nach Frankreich. Die Mission lautet einen für die Russen arbeitenden Agenten namens Le Chiffre auszuschalten. Durch unkluge Inverstitionen, mit Geldern des russischen Geheimdiensts, ist Le Chiffre in finanzielle Bedrängnis geraten, nun soll Bond am Baccarat-Tisch antreten um zu verhindern das Le Chiffre sein Konto ausgleichen kann ehe seine russischen Auftraggeber von den Transaktionen Wind bekommen. So will man seine Auftraggeber zwingen, Le Chiffre in den Ruhestand zu schicken. Zunächst scheint es so, als ob das Glück Bond hold ist - Le Chiffre hat eine Pechsträhne. Doch manche Leute weigern sich einfach, nach den Regeln zu spielen...


 Bond ist für moderne Verhältnisse problematisch, das steht außer Frage - wobei sein moralisch fragwürdiges Verhalten Frauen gegenüber in den Romanen weniger ausgeprägt ist als in den Filmen, weshalb mir die Geschichten trotz ihres zeitlich geprägten Umfeldes durchaus Spaß machen zu Lesen.

 Tatsächlich soll Casino Royale auf einen Einsatz zurückgehen, den der im Zweiten Weltkrieg tatsächlich für den britischen Geheimdienst arbeitende Ian Fleming selbst durchführte. Das Ziel damals war es mit ähnlicher Methode Offiziere der deutsche Wehrmacht finanziell zu schwächen. Auch wenn Casino die wichtigsten Charaktere einführt, und uns ein frühes Charakterbild eines noch weitgehend unerfahrenen Bond liefert, der Roman ist kein high-light der Serie. Als Einstiegspunkt ist Casino Royale nicht der Band den ich Lesern empfehlen würde, statt dessen wollte ich anraten den zweiten Band in der Reihe Leben und Sterben lassen, zuvor zu lesen*.
 Nicht nur weil Leben und Sterben lassen zufällig auch mein persönlicher Lieblingsfilm der Reihe ist, die Geschichte ist einfach spannender Konstruiert, mit weit weniger Längen. 

 Denn, Casino Royale kämpft leider mit zwei ernsten Problemen.
 Erstens ist es leider eine der schwächsten Bondgeschichten, obwohl mir beim wiederlesen das Kartenduell besser gefallen hat als beim ersten Mal. Ian Fleming versteht es durchaus einer wenig aktiven Szene eine gewisse Action zu verleihen.
 Zweitens, die eigentliche Kernhandlung reicht gerade für eine Novelle - den Rest des Buches, nahezu die Hälfte davon, beobachten wir Bond beim genesen von seinen Verletzungen, beim Flirten mit Vesper Lynd und sich in sie Verlieben, und etwas philosophieren über die Natur des Bösen und seine Rolle als Geheimagent.
Mathis öffnete die Tür und blieb auf der Schwelle stehen.
 "Umgeben sie sich mit Menschen, mein lieber James. Für sie lässt es sich leichter Kämpfen als für Prinzipien."
Er lachte. "Aber enttäuschen sie mich ja nicht, indem sie selbst menschlich werden. Dadurch würden wir eine wundervolle Maschine verlieren."
 Diese zweite Hälfte des Buches ist zwar überraschend unterhaltsam, aber sie bremst die Geschichte dann doch soweit aus bis sie kurz vorm Stillstand steht.


 Amüsant ist Flemings Charakterisierung Bonds, auf der einen Seite ist er ein kompletter Chauvinist, auf der anderen wirkt er komplett unfähig was Frauen angeht. Keine Ahnung ob das geplante feine englische Ironie ist, oder einfach nur ein gelungener Glückstreffer des Autors - es hilft auf jeden Fall über die teils recht fragwürdige 50er Jahre Moral hinwegzusehen und Bond trotz, oder gerade wegen seiner Fehler zu mögen.
 
 Ein kurzes noch zur Übersetzung, ich habe das Buch das erste Mal in der 1960 Übersetzung des Ullstein Verlags gelesen, die neuvorliegende Übersetzung des Cross Cult Verlags macht hier aber angelegentlich mehr inhaltlichen Sinn, weshalb ich annehme das sie Werktreuer ausgefallen ist und ich tatsächlich zu deren Anschaffung raten würde (oder besser noch gleich die Originaltexte), wenn man sich den Bond Romanen widmen will:
 "Für Bond war das Glück eine Frau, die entweder zärtlich umworben, oder aber brutal genommen, niemals jedoch verkuppelt oder überzeugt werden wollte."
(Übersetzung: Günther Eichel, 1960
 "Bond betrachtete das Glück als eine Frau, die man sanft umwarb oder brutal nahm, der man jedoch niemals nachgab oder hinterherlief."
(Übersetzung: Stephanie Pannen und Anika Klüver, 2012)

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* Danach bietet es sich allerdings an die Reihe in Folge zu lesen, da die Romane lose aufeinander aufbauen.

Samstag, 29. April 2017

Bloggerbrunch: Liebesromane

Der bloggerbrunch wird veranstaltet von Der Duft von Büchern und Kaffee und Meine Welt voller Welten.


14:00 Uhr - Liest du gerne Liebesromane oder ist das eher nichts für dich? Verrate uns doch, was du daran so gerne magst bzw. was dich daran stört. Überzeugt dich der Bad Boy, vielleicht sogar ein Nerd? Ist dir möglicherweise eine toughe Protagonistin wichtig? Oder hängen dir beispielsweise Dreiecksbeziehungen bereits aus dem Halse heraus? Erzähl uns von deinen Top und No-Gos in Liebesromanen.

Ich lese grundsätzlich sehr gerne Liebesromane wenn diese nicht zu sehr in die Erotikecke abrutschen.
Was ich daran mag:
Ich bin, wie vermutlich (hoffentlich) fast jeder Mensch gerne Verliebt – Aromantiker ausgenommen. 
Ich vergleiche gerne meine persönliche Erfahrung/Vorstellung/Erlebnisse mit denen anderer.
Ich lese gerne Liebesgeschichten mit Softies in der Hauptrolle, oder über Männer und Frauen die um eine verlorene Liebe trauern, sich ihr vertrauen in die Liebe wieder erarbeiten müssen und vor allem natürlich über diese magische erste Liebe die eine für den Rest des Lebens zeichnet.

Was mich daran stört:
Wie oben angedeutet, das in Liebesromanen / Romanzen das Erleben so oft auf reine körperliche Anziehung heruntergebrochen wird. Sex ist eine Sache die ich nicht wirklich verstehe, und es fällt mir schwer mich in Charaktere die einen zu großen Schwerpunkt darauf legen hineinzuversetzen. Beziehungsweise stört mich das für viele Autoren die körperliche Anziehung Start und Endpunkt darzustellen scheint. Der Typ ist heiß, er findet sie heiß und das ist alles das wir scheinbar wissen müssen – ihre ganze Beziehung angelt um dieses eine Erlebnis und am Ende des Romans wissen wir von den beiden nicht mehr als sie voneinander – und das soll Romantik sein? Schlimmer noch, soll das tatsächlich Liebe widerspiegeln?
Es würde natürlich erklären warum jede dritte Ehe geschieden wird und vom Rest auch nicht alle glücklich miteinander sind.
Ich hasse diese arroganten, nur um sich selbst kreisenden Alpha Typen die dieses Genre vorwiegend zu bevölkern scheinen – der Nalini Singh Titel „Mine to possess“ erscheint mir oft geradezu Synonym für das Genre zu stehen. Es geht zu oft nicht um Liebe oder Partnerschaft, es geht um Besitzanspruch.
Ich muss da gelegentlich an einen seltendämlichen Spruch denken (*pardon*) den ich in meiner Jugend einst von einem Mädchen zu hören bekam: „Wer nicht Eifersüchtig ist, der Liebt auch nicht.“
Genau das entspricht nicht meiner Erfahrung, wenn ich jemanden Liebe, dann möchte ich diese Person glücklich sehen, und wenn sie das nicht an meiner Seite sein kann lasse ich sie doch lieber gehen als sie zu binden zu versuchen – wo also fände Eifersucht da einen berechtigten Platz?

No-gos:
Gewalt / Gewaltandrohung / Einschüchterung gegen den Partner, wenn es in irgendeiner Weise als lässlich/normal dargestellt wird, ist ganz klar ein No-go.
Grundsätzlich Charaktere die einander hintergehen, lügen, betrügen, sich wehtun und dann immer noch beteuern zu Lieben... sorry, aber nein, muss für mich nicht sein.

(<- Merkt man’s eigentlich sehr das ich mich gerade mal wieder eher etwas verraten fühle von diesem spezielle Genre? :D)



14:30 Uhr -Nenne uns deine derzeitigen Liebesbuchfavoriten. (Bis zu maximal 3) Warum magst du die Liebesgeschichte in diesen Romanen so gerne? Was war für dich daran so besonders?

Mit Gut gegen Nordwind bin ich ganz bei dir, eine clevere, romantische Sprache und ja, hach, einfach zum Verlieben geschrieben... ich würde noch hinzufügen:

Annie on my mind, Nancy Garden. Das drücke ich den Leuten hier auf meinem blog in schöner Regelmäßigkeit auf das Auge. Einfach weil Nancy dieses Gefühl jungverliebt zu sein so perfekt einfängt und eine wunderbar süße (Lesbische-) Liebesgeschichte erzählt, mit sehr zurückgenommenem Drama.

Donna Alwards Somebody like you habe ich jüngst sehr gerne gelesen und hat mich mit genau diesem positiven Glücksgefühl zurückgelassen das eine Romanze in einem wecken sollte – obwohl Aiden Gallagher genau der Typ ist den ich gefressen habe, arrogant und selbstgefällig, und wir über seine „Liebe“ kaum sehr viel mehr erfahren als dass er scharf auf die Heldin ist, und er in seiner Jugend ihr gegenüber ein Arschloch war.

Im November, von Sarah Anne Cole (jetzt: Nicole Stoye) ist ein etwas älterer Indie den ich in sehr guter Erinnerung habe. Sprachlich nicht ganz so fesselnd und durch die Entscheidung im Präsens zu erzählen nicht voll auf meiner Linie, aber eine sehr schöne, sehr gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte.



15:00 Uhr - Mit Liebesromanen haben wir uns heute eine besondere Genre für euch ausgesucht. Verrate uns doch, ob du reine Liebesgeschichten bevorzugst oder dich eher ein Genremix begeistern kann. Was fasziniert dich an einer reinen Liebesgeschichte? Oder mit welcher Genre hast du den Romanze-Anteil am liebsten gemischt? (Bsp. Romance und Fantasy, Romance und Thriller,...) Liest du vielleicht sogar hauptsächlich andere Genres und entdeckst die Liebesgeschichte gern eher als Nebengeschichte?

Ich bin da flexibel, solange die Liebesgeschichte (für mich) glaubwürdig ist, darf es auch ein Genre-Mix sein. Mystery/Crime ist der Mix der für mich noch am besten funktioniert, liegt aber vielleicht auch nur daran das es mir spontan schwer fiele zum Beispiel eine Paranormal Romance zu nennen die nicht einfach nur auf der Erotik eben funktioniert.



15:30 Uhr - Stell dir vor, wir befinden uns mitten in der Planung für die nächste Buchverfilmung und unser Augenmerk liegt auf der Genre Liebesroman. Welches Buch würdest du gerne auf der Leinwand entdecken? Wie könntest du dir das Ganze vorstellen? (Hier kannst du gerne kreativ werden. Erzähl uns von Kulissen, möglichen Schauspielern im Cast oder sogar schon Filmmusik, die du gerne hättest. Hier habt ihr freie Hand)

Ich schätze das so einige Liebesromane die geschrieben für mich nicht funktioniert haben im Film, wenn die Charaktere ihres Innenlebens und ihrer für mich seltsam anmutenden, anfallartigen sexuellen Attraktion benommen sind, für mich besser funktionieren würden.
Donna Alwards Geschichten könnte ich mir sehr gut vorstellen in dieser zurückgenommen, bedächtigen Art in der auch die Nicholas Sparks Verfilmungen Arbeiten – nur mit weniger Drama eben, weil bei Donna die Leute eher nicht zu Sterben pflegen am Ende. 

Freitag, 28. April 2017

Erotik und Gewaltphantasien

 Ein bisschen Freitagsaufreger so kurz vor dem WE.

Dass ich persönlich mich mit für eine Trigger-Warnung bei Romanen ausspreche ist vermutlich kein Geheimnis - falls doch:  Da steht es nun!

 Bereits bei diesem dubiosen New Adult Label hatte ich schon immer das Gefühl das hier einfach nur Re-Marketing betrieben wird, Erotikromane in neuem Gewand mit gesellschaftsfähigerem Namen eben. Und da für das junge Publikum alles möglichst Edgy sein muss ist in diesen Romanen die ganze Palette sexuellen Missbrauchs und/oder sexualisierter Gewalt vertreten, von Intimidation bis zur Vergewaltigung, und wird zunehmend romantisiert dargestellt - das erinnert unangenehm an den früheren Romance Markt und seine Bodice Rippers.

 Und nun bekommen wir noch das Romantisch umschriebene Dark Romance als Label vorgesetzt; zugegeben, im Kern, wenn man erst einmal verinnerlicht hat das gefühlte 80% der Romance tatsächlich Erotik Romane in anderer Verpackung sind - kann man schon ahnen was sich hinter Dark Romance verbirgt.
Nichts gutes nämlich.

 Und so finden immer mehr Romane die sich mehr oder minder nur noch um "Sexy" Gewaltphantasien drehen ihren Weg in den Buchhandel, auch raus aus der Self-Publishing Schmuddelecke rein in Seriöse Verlage - oder was man bisher so dafür hielt, z.B. der Piper Verlag.

 Es geht nicht um die Frage, darf man Gewaltphantasien schreiben, oder veröffentlichen, es geht darum wie diese Vermarktet werden. Wie ein Deckmantel der Seriösität dafür gesucht wird der einem erlaubt diese Werke zu Verkaufen ohne potentielle Käufer abzuschrecken, auch sehr gezielt gerade an junge Leser über eine entsprechende Aufmachung.
Sprich, anstatt das man Romane einfach klar als Erwachsenen-Literatur kennzeichnet, und im Fall expliziter Darstellung sexualisierter Gewalt mit einer Warnung versieht, werden neue kunstvolle Label-Namen gesucht mit denen man das ganze schön verpacken kann.


 Kejas-Blogbuch stellt die Problematik ausführlicher vor (ich bemühe mich wann immer Möglich einen großen Bogen um solche Bücher zu machen):

Gewaltverherrlichung – Oder: die Buchwelt schockt uns!



 Noch kurz zurück zum Thema Trigger-Warnung:

 Hier geht's zum Wiki Artikel der das wichtigste dazu kurz zusammenfasst:
https://de.wikipedia.org/wiki/Triggerwarnung
 
  Die Diskussion darüber ob Romane mit Trigger-Warnungen versehen werden sollten habe ich im Netz schon an anderer Stelle geführt, ich denke bei GoodReads.
Seltsamerweise scheint das Hauptargument der Gegner nur darauf hinauszulaufen das

a) Sie sich dadurch bevormundet fühlen
b) Man eine verdeckte Zensur darin sieht

 Dazu lässt sich nur sagen, eine Warnung auf einem Buch ist genauso wenig "Bevormundung" wie wenn man Bücher mit Genre-Labels verkauft, oder fühlen sie sich davon gestört das auf Der Herr der Ringe fast immer ein Fantasy prangt?
Verdeckte Zensur ... nun das Argument mag am Umfeld gelegen haben, ich kenne kaum eine Ecke im Netz in der so schnell "Hilfe, Zensur!" geschrien wird, wie dort wo Amerikaner sich an der Diskussion beteiligen.

Ein extrem zynisches Argument auf das man leider auch stößt lautet grob:
"Weshalb eine Trigger Warnung? Müssen es ja nicht Lesen wenn sie es nicht vertragen."
Ich kann nur hoffen das dieses Argument lediglich aus Ignoranz derjenigen herrührt, welche keine Traumaerfahrungen im Leben gemacht haben und nicht nachvollziehen können worum es geht - das spricht nicht gerade für die Empathifähigkeit dieser Personen, lässt mich aber ruhiger schlafen als die möglichen Alternativen dazu.

Mittwoch, 26. April 2017

The Jane Austen Book Club








The Jane Austen Book Club, Karen Joy Fowler
(Penguin, 2006)


 Fünf Frauen und ein Mann treffen sich sechs Monate lang, um über die Romane von Jane Austen zu diskutieren. Doch was dabei ans Licht kommt, sind weniger die verschiedenen Aspekte von „Stolz und Vorurteil“ als die Wünsche und Sehnsüchte der Teilnehmer selbst. Während der Jane Austen Club sich trifft, werden Ehen getestet, zarte Bande gesponnen und Tragödien gemeistert. Und die Liebe bahnt sich am Ende durch alle Wirrnisse ihren Weg …



 „Very funny“ verspricht das Daily Telegraph Zitat auf dem Einband.
Nach dem ersten Kapitel klappe ich die Seiten zu und frage mich, ob wir das selbe Buch gelesen haben. Nicht das Karen Joy Fowlers Roman nicht seine lough-out-loud witzigen Momente hätte.
‘Austen suggests that Udolpho is a dangerous book, because it makes people think life is an adventure,’ she said. ‘Catherine has fallen completely under its spell. But that’s not the kind of book that’s really dangerous to people. You might as well argue that Grigg here thinks we’re all extraterrestrials, just because he reads science-fiction.’
 Bernadette made a surprised coughing sound. We all turned to look at her, and she managed an unconvincing smile. She had that great gob of tape and paper clips on her glasses. Her legs were twisted up in her lap in some impossible yoga posture. All our suspicions were suddenly roused. She was fooling no one. She was far too bendable to be human.
 But why care? There was no one more benign than Bernadette.

 Und ja, ich muss zugeben das beim Schreiben dieser Zeilen, beim nachlesen einzelner Passagen, ich merke wie sehr mir die Charaktere doch allem zum Trotz an das Herz gewachsen sind, wie mich gewisse Passagen noch immer zum Schmunzeln bringen können. Aber das erste Kapitel setzt den Ton für etwas anderes als ein „Very funny“ – das erste Kapitel gehört Jocelyn’s Vergangeheit, und wie sie unbeschwert und unbekümmert die Avancen zweier junger Männer geniest, ohne sich deren Gefühle wirklich bewusst zu werden.
Und da sie keinem von beiden wehtun will, lädt sie beide auf einen Ball ein, was natürlich das genaue Gegenteil bewirkt.
 Auf diesem Ball begegnet Jocelyn auch ihrer heimlichen Liebe, der sie beschuldigt mit den Gefühlen der beiden gespielt zu haben, und der sich sexuell an ihr vergreift, wie er sagt um sie zu strafen... „Very funny“ indeed, not!
 Ein Buch das mit sexuellem Missbrauch eröffnet, steigt auf meiner Humorskala nicht wirklich hoch.

 Dass diese Vergangenheit Jocelyn’s nur wenig bis gar nichts mit dem Rest des Buches zu tun hat, macht es nicht besser. Es ist schwer zu erraten warum die Autorin diese Passage einbringt. Um zu erklären warum Jocelyn, die Hundefrau, ein Kontrollfreak geworden ist?
Warum sie eine streng matriarchalisch organisierte Hunderasse züchtet?
Weshalb sie lieber im Liebesleben anderer herumpfuscht als sich ein eigenes Aufzubauen?

 Dieses Problem allerdings zieht sich durch die ganze Erzählung. Für jedes Buch das der Buchklub liest, in jedem Monat, gibt es ein eigenes Kapitel. Dieses Kapitel kreist zentral um die aktuelle Gastgeberin, oder den Gastgeber für den Buchklub. Im Grunde sind es sechs weitgehend unabhängig von einander existierende Vignetten die sich nur angelegentlich berühren und dabei eher beiläufig zu einer Geschichte fügen.

 Anstrengend, „Emotionally exhaustive“ waren die Zitate die mir so durch den Kopf gingen beim Lesen. Anstrengend, weil Fowler auf eine stringente Erzählweise verzichtet, in Zeitlichem vor und zurück erfahren wir wie sich die Mitglieder des Buchklubs untereinander kennengelernt haben, und dazwischen bekommen wir Einblick in ihre respektive Vergangenheit, die Autorin fordert eine menge Geduld von uns ein, ohne das wir viel dafür bekämen. Emotional Anstrengend ist dabei die Erzählerin, die sich nie zu erkennen gibt, in einem pluralen „Wir“ spricht wenn es um die Gruppe geht, aber nie das singulare „Ich“ benutzt – im letzten Kapitel scheint es mit allerdings recht deutlich das Jocelyn die Erzählerin ist. Der Narrativ ist eher zynisch gehalten, oft beißend so. Manchmal scheint es das unsere Erzählerin Männern nicht traut, sie heimlich verdächtigt Frauen zu verachten, auch wenn sie, mit dieser einen gravierenden Ausnahme, nie so handeln, und die Frauen verachten vice versa die Männer. Überhaupt verbringen die Frauen im Buch nach Darstellung der Erzählerin ein Großteil ihrer Zeit damit an anderen herumzunörgeln, an ihren Männern, ihren Freundinnen oder deren Töchter, anderen Frauen ganz allgemein, oder sich Situationen auszudenken an denen man herumnörgeln könnte, wenn sie so einträfen... also „Very funny“?
Ich weiß es nicht.
Ich frage mich, will die Autorin damit selbstironisch sein?
Soll uns das als Leser einen Spiegel vorhalten, will es sagen sieh her, das sind die Klischees in denen ihr uns Frauen seht?

 Obwohl das Buch kurz gehalten ist, fordert es Disziplin es nicht einfach zur Seite zu legen und zu vergessen. Es hilft das es Passagen und Kapitel gibt die tatsächlich witzig sind, die ehrlich sind, die emotional sind. Sylvias Kapitel, welches passend ganz am Ende kommt, denn Jocelyn und Sylvia, die beiden lebenslangen Freundinnen bilden die Buchstützen der Erzählung.
Sylvia, die sehr behütet aufgewachsen ist, und deren Eltern ihr als Kind alles furchtbare fernzuhalten suchten bekommt eine der besten Passagen im Buch, gleichermaßen Komisch wie nachvollziehbar, für Sylvias Kapitel lohnte sich die Reise dann fast schon wieder.
 Dr Yep? Jocelyn waited until Sylvia had finished with the blender to lean in and whisper. ‘So! What mother doesn’t want her daughter dating a nice doctor?’
 Such a thing to say! Obviously Jocelyn had never seen a single episode of Young Dr Malone. Sylvia knew how these things worked. Any minute now someone would fall into a coma. There’d be an accident in the kitchen with the blender. A suspicious death followed by a trial for murder. Hysterical pregnancies followed by unnecessary abortions. The many, many braided chains of disaster.
 ‘I’m very happy for her,’ Sylvia said. She poured the largest margarita for herself. She deserved it. ‘Dr Yep seemed like a really lovely woman,’ she added insincerely, although, in fact, Dr Yep had.


 Abgeschlossen wird das Buch mit einem kurzen Jane Austen Primer, der auf wenigen Seiten die Handlung der Bücher zusammenfasst und uns Reaktionen von Zeitgenossen und späteren Lesern aufzeigt. Dies ist tatsächlich der interessanteste Teil des Buches. Austen lesen will man danach aber noch weniger denn zuvor. Die Romantik einer Zeit in der Frauen finanziell unterdrückt werden entzieht sich mir.

 The Jane Austen Book Club ist so für mich kein Buch das man gelesen haben muss, es sei denn man mag die Verfilmung, zu der ich eher anraten würde.


 Der Film, natürlich Hollywood typisch und nicht ohne Schwächen, macht seine Sache im Kern sehr gut. Er bringt Struktur in Fowlers Erzählung, lässt unnötiges unter den Tisch fallen, rafft Stellenweise das Notwendige – es liegt eine unbestreitbare Eleganz darin wie der Film es schafft Prudies Vergangenheit auf eine Konfrontation mit ihrem Mann zu reduzieren die in den Worten „High School is never over!“ kulminiert, wahrere Worte wurden selten Gesprochen – der Film nimmt der Erzählung den Zynismus, die Bitterkeit und verleiht diesem Desperate Housewives Book Club ein wohltuende Leichtigkeit.

 Der Film setzt dabei sehr viel mehr auf die Romantik der Geschichte.
Die Besetzung ist jünger gehalten, im Buch sind Jocelyn und Sylvia in ihren frühen Fünfzigern, im Film eher so in ihren Vierzigern, Bernadette ist Anfang Sechzig, im Film so Anfang Fünfzig – Marktentscheidungen.
Entsprechend wurde auch der einzige Mann im Buchklub, Grigg – ein Name wie ein Genickschmerz –, auf nun Ende zwanzig, bestenfalls frühe dreißig verjüngt (ursprünglich um die Vierzig). Komischerweise wurde ein Subplot des Buches, der Verdacht Grigg könnte an Allegra interessiert sein, ebenfalls fallengelassen obwohl diese nun Altersmäßig besser zusammen passen würden – Buch und Film Allgra sind in etwa Gleichalt, mitte Zwanzig versus anfang Zwanzig, und die Idee wäre nun weit weniger Creepy gewesen.

 Ganz generell brilliert der Film mit einer hervorragenden Besetzung, eine kleines Who is who talentierter weiblicher Stars aus der zweiten Riege, die im Film sehr viel verschworener miteinander agieren als im Buch. Es wird noch immer ein wenig gelästert, aber freundschaftlicher, man spürt hier mehr Kameradschaft zwischen den Frauen. Im Film sind Jocelyn, Sylvia, ihre Tochter Allegra und Bernadette bereits ein Gespann, Prudie und Grigg sind die zwei Neuankömmlinge.

 Das Script stellt viele Szenen um, nicht nur um die Geschichte logischer zu strukturieren, es wird auch der Konfliktpunkt verändert. Sylvias Scheidung steht nun zum einen stärker im Mittelpunkt, ist aber nicht Anstoß des Buchklubs, die Trennung folgt erst später.
Charaktere welche die Story nicht vorantreiben fallen heraus, schade unter anderem um den Autor Mo Bellington, der für einen der witzigeren Gags sorgt.
 Eine Sache die mich beim Lesen des Buches irritiert hat, ist das fehlende Gefühl von zeitlichem Setting, klar wir haben die Anspielungen auf Popkultur im Roman, aber die Charaktere im Buch verhalten sich als wären sie sehr viel älter – Jocelyn und Sylvia wirken wie Figuren aus einer weit weniger emanzipierten Zeit.
Der Buchtext verspricht „a delicious dissection of modern relationships.“ – aber auch hier liegt die Stärke beim Film, wir bekommen Frauencharaktere die selbstbewusster, emanzipierter, moderner agieren, als das im Buch je geschieht.

 Prudie, kongenial gespielt von Emily Blunt, würde ich sagen erfährt die stärkste Veränderung, und mit ihr kommt eine der wichtigsten Änderungen zum Buch. In der Vorlage ist Prudie eine vom Leben zutiefst verängstigte Frau, hier zentriert der Konflikt eindeutig in Prudies Charakter, im Film ist sie immer noch emotional Fragil, aber sie beginnt zudem am Sinn ihrer Ehe zu zweifeln. Dean, der sie im Buch praktisch auf Händen trägt, ist im Film von ihr Entfremdet, er versteht seine Frau nicht, verhält sich emotional distanziert zu ihr.
Was im übrigen sehr viel mehr Sinn ergibt, im Buch ist Dean ein ehemaliger High School Sportstar, und in diesem Zusammenhang ist es sehr viel verständlicher das für Dean die Worte „High School is never over!“ keinen Sinn ergeben, er war nie in dieser Hölle, er war wahrscheinlicher selbst diese Hölle. Ein weiterer Streitpunkt im Film wird die Reise der beiden nach Paris, ein Geschenk Deans an seine Frau, im Buch fürchtet Prudie diese, die Französischlehrerin die noch nie in Frankreich war, hat sich in ihrer Fantasie ein Traumland erschaffen von dem sie Fürchtet das es der Realität nicht Standhalten kann, im Film sagt Dean die Reise zugunsten seiner Karriere ab.

 Emily Blunt als Prudie ist sowieso Spot-on, sie sieht sich selbst im Buch zwar als unscheinbares Mauerblümchen, aber die Tatsache das der ehemalige High School Sportstar Dean sich auf den ersten Blick hoffnungslos in sie verliebt, straft dies Lügen.
Prudie ist nicht unscheinbar, es fehlt ihr nur Selbstvertrauen – und wer spielt schon besser verletzlich als Emily Blunt?

 Und eines noch zu Prudie. Der Film schafft Klarheit wo uns das Buch ein Stück im Dunkel lässt. Im Buch lernen wir Prudies Mutter nie wirklich kennen, nur Prudies Erinnerung an sie, was im unklaren darüber lässt ob sie ihre Tochter nur unglaublich nachlässig behandelt oder psychisch Labil ist. Im Film bekommt Prudies Mutter einen kurzen Auftritt, gespielt von Lynn Redgrave, der keinen Zweifel an deren Geistesverfassung lässt.

 Zu den unverständlicheren Änderungen gehört das Film Grigg plötzlich reich ist, aber man wollte damit eventuell das klassisch Austenthema aufgreifen, ein Jungeselle von Reichtum und so weiter… ein wenig geärgert hat mich beim wiederanschauen das eine von Sylvias witzigeren Passagen nur gekürzt wiedergeben wird und nun Bernadette zufällt:
‘Are you saying Austen meant her to be gay?’ Sylvia asked. ‘Or that she’s gay and Austen doesn’t know it?’
 Sylvia preferred the latter. There was something appealing in thinking of a character with a secret life that her author knew nothing about. Slipping off while the author’s back was turned, to find love in her own way. Showing up just in time to deliver the next bit of dialogue with an innocent face.*


 Man merkt schon, über den Film habe ich habe ich deutlich mehr zu sagen als über das Buch, trotzdem wie oben schon angedeutet, wer den Film mag für den könnte sich der Blick ins Buch lohnen. Der Film liefert die Struktur, das Buch gibt den Charakteren ihren Hintergrund.






* Was mir an dieser Passage besonders gefällt ist, wie sie gekonnt den ganzen Humor liefert, den Jasper Fforde in seine Romanen bemüht anvisiert und dabei oft verfehlt.